Trip nach… Côte d’Azur / Reisezeit: Ende Juli – Anfang August 2025
von Ursi Brüllhardt
Dachzelten ist für mich wie Camping auf „Minimalismus-Extrem“ – mit dem Unterschied, dass man statt Zen-Meditation einfach sein ganzes Gerümpel zuhause lässt. Wenn der Alltag einen mit Terminen zupflastert wie ein übermotivierter Sticker-Sammler, dann erdet mich genau dieses einfache Leben auf vier Rädern.
Trotzdem wollte ich auf diesem Roadtrip eigentlich… alles. Sonne, Strand, Cocktails, Shopping, Lost Places – und natürlich Dachzelten. Also: ab in den Süden!
Die Route war schnell skizziert: kurz Genua (Hafen-Check), dann Monaco, Nizza, Cannes, St. Maxime / St. Raphael und St. Tropez. Gebucht war nichts – wir vertrauten blind auf unsere innere Kompass-App.
Genua erledigten wir im Vorbeifahren um 3 Uhr morgens. Richtig magisch wurde es erst auf den ligurischen Küstenstrassen: offenes Fenster, der Motor brummt zufrieden, das Meer glitzert wie frisch polierter Schmuck – und niemand sonst unterwegs, ausser ein paar verschlafenen Möwen.
Monaco und Nizza? Hübsch, aber eindeutig viel zu viele Menschen pro Quadratmeter. Wir verzogen uns lieber in die Berge, wo man die Städte wie kleine Spielzeugwelten unter sich hat: Helikopter-Kringel, Yacht-Giganten und Strassen, die aussehen, als hätte jemand vergessen, sie in Normalgrösse zu bauen.
St. Maxime war charmant verwinkelt, Cannes aalglatt gepflastert, und St. Tropez… nun ja: St. Tropez. Dort fährt man versehentlich mit einem staubigen Overlander mitten durch die Hermès-Zone und wird höflich von der Gendarmerie wieder hinauskomplimentiert. Kontrastprogramm Deluxe.
Unser Camp lag nur ein paar hundert Meter vom berühmten Plage de Pampelonne entfernt. Wenn wir Lust auf Glamour hatten, setzten wir uns in eine der Strandbars mit wogenden Leinentüchern, weissen Polstern und Cocktails, die aussahen wie Kunstwerke. Menschenbeobachten war dort besser als Netflix. Niemand schwitzte bei 42 Grad. Wirklich niemand. Faszinierend.
War uns nach Adrenalin, düsten wir mit Jet-Skis rum oder gingen schnorcheln. War uns nach Ruhe, gab’s im Camp einfach Spaghetti, Steaks und Bier – Gourmet genug.
Nach ein paar entspannten Tagen spielten wir „Navi aus, Entscheidung per Kreisverkehr“. Jeder Kreisel ein kleines Roulette: links? rechts? geradeaus? So landeten wir in Aix-en-Provence, Marseille, Arles, Avignon, Grenoble – und zum Schluss am Creux-du-Van, wo wir unsere letzte Nacht verbrachten. Die Heimfahrt danach? Lächerliche 45 Minuten.
Ein Roadtrip, der einmal Chaos, Sonne, Jet-Set und Dosenbier in den Mixer geworfen hat – und genau deshalb unvergesslich war.
